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Kakao & Schokolade

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Als Kakao bezeichnet man die Samen des Kakaobaumes (Kakaobohnen), das daraus gewonnene Pulver sowie das aus Kakaopulver zubereitete Getränk. Kakao ist ein wichtiges Exportprodukt zahlreicher Entwicklungsländer und der Grundstoff bei der Herstellung von Schokolade.

Die Azteken kannten die Kakao-Pflanze bereits seit dem 14. Jahrhundert. Damals galt sie als heilig und wurde als Geschenk des Gottes Quetzalcoatl betrachtet und verehrt. Die aus der Frucht gewonnenen Bohnen wurden allerdings nicht nur als Opfergabe verwendet, sondern auch als Zahlungsmittel und zur Zubereitung eines herben Gewürztrankes, der sich vom heute verbreiteten Kakaogetränk geschmacklich deutlich unterschied.

Auch in Europa blieb Trinkschokolade lange Zeit Königen und Fürsten vorbehalten und war teurer als Tee oder Kaffee.

Noch vor dem 1. Weltkrieg waren Kakao und Schokolade in Europa ein überflüssiger Luxus. Das hat sich seit den 1950er Jahren grundlegend gewandelt. Schokolade und Schokoladenprodukte sind heute billiger als vor mehr als 30 Jahren und aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Im Durchschnitt isst jeder Bundesbürger im Jahr 11,1 Kg Schokolade (2005).

Schokolade wird heute zu 90 % in den Industriestaaten verzehrt, doch sein Hauptbestandteil, der Kakao, wird ausschließlich in (Entwicklungs-)Ländern der tropischen Breitengrade erzeugt. Die Hauptanbaugebiete haben sich inzwischen von Mittelamerika nach Afrika verlagert, das Land mit der größten Kakaoproduktion der Welt ist die westafrikanische Elfenbeinküste, die mit 1 Mio. Tonnen Kakaobohnen 34,2 % der weltweiten Ernte des Jahres 2006 produzierte. Die Gesamtproduktion betrug in jenem Jahr fast 3 Mio. Tonnen.

Mehr als die Hälfte der weltweiten Kakaoproduktion kommt aus Westafrika. Die dortigen Länder sind zu großen Teilen auf den Kakaoanbau angewiesen. Allein in der Elfenbeinküste und in Ghana leben 1,3 Millionen Familien vom Anbau der braunen Bohnen.

Der Anbau unterscheidet sich auf den verschiedenen Kontinenten deutlich. In Südamerika wird der Kakao auf großen Plantagen angebaut, wodurch das natürliche Umfeld verloren geht und sich Monokulturen bilden. In Afrika hingegen sind kleinbäuerliche Familienbetriebe die noch vorherrschende Produktionsform.

Ein langer Weg ist es von der Ernte der Kakaoschoten bis zum versandfertigen Rohkakao. Fermentieren, Trocknen und die Handauslese sind ein aufwändiges, arbeits-intensives Verfahren.

Die Verarbeitung zu Schokolade, Kakaopulver etc., d.h. die Wertschöpfung findet in den Industrieländern statt, einerseits um Kühlflüge zu vermeiden, zum Anderen gehört Schokolade so wie wir sie kennen in den Ursprungsländern nicht zum traditionellen Lebensalltag.

Der Kakaobaum liebt es feucht-heiß: er gedeiht am besten bei Temperaturen von 25-28° C. Da er keine großen Ansprüche an das Sonnenlicht stellt, wird er häufig unter Schattenbäumen gezogen oder in Mischkultur angebaut. Oftmals sind katastrophale Arbeitsbedingungen mit Hungerlöhnen, Kinderarbeit bis zu Kinderhandel und Zwangsarbeit in vielen Kakaoplantagen an der Tagesordnung. Das Schleppen schwerer Säcke in brütender Hitze, unzureichende Ernährung, Schlafen auf nacktem Fußboden, der Einsatz von Pestiziden auf den Plantagen - all das gehört zum Arbeitsalltag von Tausenden von Kindern, die zudem oft niemals Geld für ihre harte Arbeit sehen. Schokolade ist für sie ein unbezahlbarer Luxus. An Schule ist gar nicht zu denken.

Der Preis der Kakaobohnen schwankt so stark, dass die Kakaobauern kein gesichertes Einkommen zum Leben haben und ihre Kinder mitarbeiten müssen. Denn der Kakaomarkt ist höchst instabil: Im Jahr 2000 stürzte der Weltmarktpreis beispielsweise auf einen historischen Tiefstand. Politische Unruhen an der Elfen-beinküste sorgten u.a. Ereignissen für eine Reduzierung des Angebotes und einen erneuten Anstieg des Preises. Während Angebot und Nachfrage so den konventionellen Kakaomarkt regeln, ist für fair gehandelten Kakao ein Mindestpreis festgelegt. Er enthält einen Aufschlag von 150 US$/t für soziale und ökologische Investitionen. Für Kakaobohnen aus organisch-biologischer Anbauweise zahlt der Faire Handel einen Zuschlag von US$ 200,- pro Tonne. So gewährt der Faire Handel ein existenzsicherndes Einkommen für die Familien der Kleinbauern - damit Kinder zur Schule gehen können, anstatt auf den Plantagen zu schuften!

 

PROJEKTE DES FAIREN HANDELS:

El Ceibo – Kakao aus Bolivien

In den 1960er Jahren wurden viele Bergbauern und Minenarbeiter aus dem Altiplano von der Regierung umgesiedelt. Da sie ohne ausreichende Unterstützung in schwierigen Umständen verblieben, starben viele von ihnen. Siedlerfamilien die trotzdem nicht aufgaben, schlossen sich zu Dorfgemeinschaften zusammen. Vier von ihnen gründeten 1977 einen Dachverband zur eigenständigen Vermarktung: „El Ceibo“.

Heute ist El Ceibo einer der ältesten Fairen Handelspartner. Seit 1991 wird Kakao und Kakaobutter für die erste faire Schokolade geliefert, die seit 1999 bio-zertifiziert ist.

El Ceibo zählt seit 1999 insgesamt 37 Gruppen mit 810 Mitgliedern. Sie leben teilweise mit ihren Familien weit verstreut im Regenwaldgebiet. Reihum ziehen sie für eine gewisse Zeit nach La Paz, um dort in der Kakao- und Schokoladenfabrik oder in der Verwaltung zu arbeiten.

Kavokiva – Kakao von der Elfenbeinküste

„Kavokiva“ bedeutet in der Gouro-Sprache: „Schließen wir uns zusammen“ und das haben die Bauern in der Region Haut-Sassandra 1999 getan. Denn seither vermarkten sie ihre Produkte über die Genossenschaft Kavokiva. Damit gehören sie zu den Pionieren in ihrem Land, denn erst seit 1997 können in der Elfenbeinküste landwirtschaftliche Kooperativen gegründet werden. Vorher nahm der Staat diese Aufgabe wahr. Heute zählt die Kooperative rund 6000 Mitglieder, die insgesamt 18.000 Hektar Land bearbeiten und Kakao und Kaffee für den Export anbauen sowie Mais, Bananen und Reis für den eigenen Bedarf.

Die Bauern erhalten durch den Fairen Handel höhere Preise für ihren Kakao als in der Region üblich.

Die Kooperative engagiert sich für die medizinische Versorgung der Bauernfamilien, die bessere Trink-wasserversorgung, den Bau sanitärer Einrichtungen sowie den Bau von Schulen und das Reparieren von Straßen. Im Jahr 2005/2006 hatte die Kooperative ein größeres Budget für diese Aufgaben zur Verfügung, da sie ihren Kakao zu 50 % an den Fairen Handel verkaufen konnte.

Schokolade von Fairafric im Quilombo

Seit 2017 ist im Quilombo ausgewählte Schokolade von Fairafric erhältlich.

In einem Brief von Fairafric wird ihre Vision anhand eines Zitats aus einer Fibel (Leselernbuch 1982) verdeutlicht:

Fibel-1982

"Wo der Kakao wächst, sollte auch die Schokolade gemacht werden”. Dieser Satz könnte auch von fairafric stammen. Tatsächlich stammt er aber aus dem Jahr 1982, als der damalige deutsche Entwicklungsminister Reiner Offergeld eine norwegische Fibel für die deutschen Schulen übersetzte und hat drucken lassen.  Was dann geschah, berichtete im April 1982 eine Zeitung: Die Bonner Wirtschaftslobby schaltete sich ein. Der Verband sah durch den zitierten Satz "die gesamte mittelständische Produktion von Schokolade in der Bundesrepublik bedroht und fragte beim Entwicklungsminister Offergeld mit Bestürzung nach, ob es das entwicklungspolitische Ziel der Bundesregierung ist, die deutsche Schokoladenindustrie zu eliminieren."  Die Bundsregierung reagierte prompt. Bei der 2. Auflage der Kinderfibel wurde der beanstandete 'Kakao-Satz' weggelassen.  Heute, im Jahre 2019, machen wir zusammen mit Euch den Unterschied und schmunzeln über dieses einmalige Fundstück. Danke, dass Ihr Euch mit uns für eine wirklich faire Wertschöpfungskette in der Schokoladenproduktion stark macht!

Instant-Kakaopulver aus der Dominikanischen Republik

Die „Confederación Nacional de Cacaocultores Dominicanos“ (Conacado) wurde im Jahr 1989 gegründet und zählt heute etwa 9200 Mitglieder, die in 126 lokalen Verbänden und Kooperativen organisiert sind. Conacado verschafft den Bauern durch ein gemeinsames Auftreten eine verbesserte Position am internationalen Markt. Vor allem die Kontakte zum ökologischen und solidarischen Handel haben neue Chancen eröffnet, wie beispielsweise die Vergabe von Kleinkrediten und auch die Einsatz-möglichkeiten der Arbeitskraft der Frauen betreffend. Grundlegende Ziele der Organisation sind die Bereitstellung technischer Assistenz, die finanzielle Unter-stützung und das Aufzeigen neuer Absatzmöglichkeiten für den Kakao. Außerdem gewährleistet Conacado durch regelmäßige Kontrollen einen gleichmäßig hohen Qualitätsstandard der Produktion. 80 % des Kakaos stammen heute aus biologischem Anbau.

Zuckerrohr von den Philippinen

Alter Trade ist der Partner, von dem El Puente Zuckerrohr bezieht. Es ist 1986 entstanden und setzt sich für Friedensförderung und nachhaltige Entwicklung auf Negros ein. Hauptziel ist es, benachteiligten Bevölkerungsgruppen zu einem existenzsichernden Einkommen zu verhelfen. Frauenförderung spielt dabei eine wichtige Rolle.

Das von Alter Trade angebaute Zuckerrohr stammt größtenteils von 11 Bauerngruppen mit rund 390 Mitgliedern in den Gebieten der Provinz Negros Occidental.

Rohrohrzucker aus Paraquay

Die Kooperative ist in der Region Arroyos y Esteros im Südwesten Paraguays ansässig. Hauptanbauprodukte sind Zuckerrohr und Sesam. Sowohl Anbau als auch die Weiterverarbeitung sind bereits bio-zertifiziert. Der Rohrohrzucker aus Paraguay wird sowohl pur als auch zu Fruchtgummi und Schokolade verarbeitet.

Das Zuckerrohr (Saccharum officinarum) stammt vermutlich aus Neuguinea und wird heute fast in allen (sub-)tropischen Regionen der Erde angebaut. Es ist ein Rispengras mit langen, dicken Schäften, das ein feuchtwarmes Klima benötigt. Die Zuckerrohrpflanze ist ausdauernd, wächst schilfartig mehrere Meter hoch und wird etwa 20 Jahre alt.

Wildkakao-Schokolade aus Brasilien

Die traditionellen Flussuferbewohner in den Regenwäldern Amazoniens gehören zu den ärmsten Bevölkerungsgruppen in Brasilien. Sie leben fern ab jeglicher Infrastruktur inmitten der großen Regenwälder. Der wild wachsende Kakao in den Überschwemmungswäldern wurde bislang nicht wirtschaftlich genutzt. Nun sichert der Wildkakao, seine nachhaltige Ernte sowie die anschließende Fermentierung und Trocknung der Bohnen vor Ort, den traditionellen Bevölkerungsgruppen ein faires, verlässliches Einkommen. Der Lohn für Ernte und Verarbeitung des Wildkakaos liegt weit über dem aktuellen Weltmarktpreis für herkömmlichen Plantagenkakao. Er ermöglicht den Menschen eine spürbare Verbesserung ihrer Lebenssituation und trägt gleichzeitig zum Erhalt der Regenwälder bei.

Hinweis: Die angebotenen Artikel können zeitweise von diesen Informationen abweichen.
Zur Zeit sind im Quilombo ca. 30 Bitterschokoladen-Produkte sowie rund 30 Vollmilch- Schokoladen-Produkte, außerdem noch ein paar wenige Reismilch-Produkte erhältlich.

Videodokumentationen "Schmutzige Schokolade"

Die Dokumentation kann in der ARD Mediathek angesehen werden.

Die Fortsetzung der Dokumentation ist bei YouTube zu finden: Schmutzige Schokolade II

Kakao Barometer

Die aktuelle Ausgabe des Kakao Barometer 2018 (Deutsch/Englisch) kann hier heruntergeladen werden.

Eine Erklärung und Zusammenfassung finden Sie im Blog von fairafric.

Letzte Änderungen: Mittwoch, 21. August 2019, 20:20 Uhr