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PALÄSTINA – ﻔﻠﺴﻄﯿﻦ

Palästina fand erstmals Erwähnung bei den Römern: Filastin - „Philisterland“ - tauften die Römer abfällig das Gebiet, dessen Bevölkerung sich mit Aufständen gegen die Besatzungsmacht wehrte. Sowohl  für  Juden  als auch für Christen  und  Moslems  hat  es sich  über Jahrhunderte zu einem „heiligen Land“ entwickelt. Besonders Jerusalem mit seinen vielen religiösen Stätten wurde zur   Anlaufstelle für Gläubige der  verschiedenen Religionen. Im Zuge des zunehmenden Nationalismus drängten Ende des 19. Jahrhunderts die Zionisten auf die Schaffung eines jüdischen Staates, als dessen Zentrum sie Jerusalem sahen. Unterstützt von Großbritannien, unter dessen Mandat Palästina nach dem 1. Weltkrieg gefallen war, begann die Errichtung einer „nationalen Heimatstätte“. Aus allen Teilen der Welt zogen jüdische SiedlerInnen in das gelobte Land. Auf arabischer Seite indes wuchs der Widerstand und nach einem Aufstand 1939 wurde die Immigrationspolitik eingeschränkt. Gleichzeitig löste aber der Nationalsozialismus eine neue Einwanderungswelle aus.

Gründung Israels - Beginn der Nahostkrise

Ende 1947 beschlossen die Vereinten Nationen die Teilung Palästinas, die aber von der Arabischen Liga, einem Verbund Ägyptens, Libanons, Transjordaniens und Syriens abgelehnt wurde. Als Ben Gurion 1948 den Staat Israel ausrief, kam es zum Krieg. Israel gewann und dehnte seine Gebietsansprüche aus. Rund 800.000 PalästinenserInnen verließen damals aus Furcht vor Angriffen ihre Dörfer oder wurden vertrieben. Sie flohen in die Westbank, Gaza, Jordanien, Ägypten und in den Libanon.

In den folgenden 20 Jahren kam es zu mehreren Kriegen zwischen Israel und den Staaten der Arabischen Liga, durch die Israel weitere Gebiete annektierte.

Jerusalem wurde zur geteilten Stadt, palästinensische Siedlungen fielen wieder unter israelische Besatzung, die Bevölkerung sah sich einer Menge von Militärordnungen unterstellt.

Der Widerstand gegen die Entrechtung wuchs und 1988 war der palästinensische Aufstand, die Intifada nicht mehr aufzuhalten. Ende des Jahres proklamierte der palästinensische Nationalrat den Staat Palästina, um einmal mehr seinen Anspruch auf Unabhängigkeit zu manifestieren. Im Jahr 1991 gelang es erstmals, die am Nahostkonflikt beteiligten Staaten an einen Tisch zu bringen. Wenngleich viele Fragen bei der Verhandlung ausgeklammert wurden, war dies der Anfang des Friedensprozesses.

Aber immer wieder gefährdeten palästinensische Selbstmord-anschläge und Übergriffe von israelischer Seite den Frieden. Im November 1995 wurde der israelische Premierminister Yitzhak Rabin, der maßgeblich an den Friedensverhandlungen beteiligt war, von einem jüdischen Extremisten ermordet. Die Friedensverhandlungen kamen ins Stocken. Gegenseitiges Misstrauen und immer wieder Anschläge und Übergriffe beider Seiten nahmen zu.

2000 betrat Ariel Sharon mit Militär den muslimischen Felsendom, das zweitheiligste Gebäude aller Moslems, zur Demonstration seiner uneingeschränkten Macht. Für die muslimisch-palästinensische Bevölkerung war dies eine tiefe Beleidigung. Als Reaktion brach die 2. Intifada aus. Seitdem haben die Sicherheitsvorkehrungen Israels immer mehr zugenommen und damit die Bewegungseinschränkungen für  die palästinensische Bevölkerung.

Derzeit leben 65 % der PalästinenserInnen unter der Armutsgrenze. Durch den fortschreitenden Ausbau der Mauer werden die Lebensbedingungen immer schwerer. Es gibt keinerlei Bewegungsfreiheit und Dörfer sind voneinander abgeschnitten. Unter diesen Umständen ist es oft schwierig - wenn nicht sogar unmöglich - Freunde sowie Familien-mitglieder zu besuchen.

Lange Wartezeiten an den Checkpoints, oft geschlossene Gates und die Ungewissheit, ob man überhaupt passieren darf, sind nun Alltag. Somit ist eine Arbeit außerhalb fast nicht mehr möglich. Die Arbeitslosenzahlen und folglich auch die Armut sind drastisch gestiegen. Durch den Bau der Mauer sind 50 % der Krankenhäuser von den Dörfern aus nur noch schwer zu erreichen. Allein 2004 gab es 76 Geburten an den Checkpoints, weil oft sogar die Krankenwagen nicht passieren dürfen.

Von den weltweit ca. 8,8 Mio. Palästinensern sind 5 Mio. Flüchtlinge. Innerhalb der Westbank leben derzeit etwa 700.000, die von der UN den Flüchtlingsstatus zugebilligt bekamen. Sie leben oft noch in denselben Häusern von vor über 50 Jahren, nur hat sich die Anzahl der Familien-mitglieder um einiges erhöht.

In den Flüchtlingscamps herrscht große Armut - eine Arbeitslosenquote von 70 % ist die Regel.

 

 

 

Holyland Handcraft Cooperative Society

 

Östlich von Bethlehem liegt die Ortschaft Beith Sahour. Wie die meisten Siedlungen der Westbank liegt sie - von  Mauern umgeben - recht isoliert. Hier ist der Sitz der Holyland Kooperative, die Mitte der achtziger Jahre entstand, als sich palästinensische Künstler in der Gegend von Bethlehem zusammenschlossen, um dem zunehmenden israelischen Druck wirksame Strukturen entgegenzustellen.

Produkte dieser Werkstätten sind Olivenholzschnitzereien. Die Formen folgen meist traditionellen Vorlagen, es gibt jedoch auch moderne Designs. Das Holz für die Schnitzereien liefern die heimischen Olivenbäume.

Jahrelang sicherte der Export in die Golfstaaten die Existenz, doch Arafats Schulterschluss mit Hussein während des Golfkrieges löste einen Boykott palästinensischer Waren aus. Durch den Handel mit europäischen Alternativorganisationen wie EL PUENTE ist es der Kooperative gelungen, die Herstellung und den Vertrieb ihrer Produkte wieder aufzunehmen.

Vor allem durch den steten Ausbau der Mauer wird Bethlehem und damit Beit Sahour völlig isoliert von der restlichen Westbank und auch von den Touristen, die bis dahin die Haupteinnahmequelle waren.

 

Surif Frauenkooperative für Handarbeit

In Jerusalem angesiedelt ist der Handarbeitsladen „Needle Workshop“ der Surif Frauenkooperative, die von einer Gruppe Mennoniten 1950 gegründet wurde. Sie sahen die Not der Familien und besonders der Frauen in den Flüchtlingslagern und wollten helfen. Sie gründeten das Selbsthilfeprojekt, um den Frauen Gelegenheit zu geben, ihr Familieneinkommen zu steigern und das Selbst-bewusstsein zu fördern.

Nach intensiver Schulung der Frauen arbeitet das Projekt inzwischen selbstständig und ist als autonome Kooperative sowohl in Jordanien als auch in Israel registriert. Das Mennonite Central Committee stellt den Frauen lediglich noch Räume für Büro und Laden zur Verfügung. Für die Frauen der Kooperative ist es sehr wichtig, dass sie hier soziale Absicherung finden.

 

Palestinian Agricultural Relief Committees

PARC eine Entwicklungsorganisation für Landwirtschaft in der Westbank und Gaza, die 1983 von einheimischen Agrarwissenschaftlern gegründet wurde, gilt heute als wichtigste palästinensische Organisation im Landwirt-schaftssektor. Neben einer umfangreichen Beratungs-tätigkeit für BäuerInnen in Fragen der Landwirtschaft, der Viehhaltung und der häuslichen Ökonomie hat PARC in den letzten Jahren damit begonnen, Projekte zu initiieren. Dazu gehören mehrere Frauenkooperativen, von denen es z.B. Couscous, die arabische Gewürzmischung Za´atar und Mandelkonfekt gibt.

Unterstützung erhalten die KleinbäuerInnen vor allem bei Krediten, Materialien und Werkzeugen sowie bei der Verteidigung ihrer Landrechte gegenüber israelischen Konfiszierungen und Wiederaufforstung. Außerdem werden Infrastrukturmaßnahmen zur Verbesserung des Straßennetzes durchgeführt und Bewässerungssysteme aufgebaut. Auf Grund der direkten Vermarktung und Erhöhung des Marktwertes der verschiedenen Agrarprodukte durch Herstellung von Fertigprodukten können höhere Preise erzielt werden.

 

 

Union of Agricultural Work Committees (UWC)

Die Gründung der Union erfolgte 1986, um palästinensischen BäuerInnen bessere Marktbedingungen zu bieten. Zusätzlich gibt es „Trainingsprogramme“ für die FarmerInnen und spezielle Frauenprojekte im Landbau, um die Situation der Bauernfamilien zu verbessern.

Da der Olivenbaum, seine Früchte und das daraus gewonnene Öl seit Jahrtausenden Bestandteil palästinensischer Kultur sind, findet man Olivenhaine bei fast allen BäuerInnen. Eine Abteilung des UWC widmet sich ausschließlich dem Olivenöl.

 

Herstellung des Olivenöls:

Die Oliven werden auf ein Förderband gelegt, mit 37°C warmem Wasser übersprüht, anschließend eingeweicht und gequirlt bis sie aufplatzen. Ein öliger Brei entsteht. Dieser Prozess ist die Vorbereitung für die Kaltpressung, durch die das Olivenöl „extra virgine“ gewonnen wird. In der Zentrifuge werden Öl und Wasser des Breis voneinander getrennt. Bevor das Öl zum Verkauf abgefüllt werden kann, muss es 2 Monate luftdicht verschlossen stehen, damit sich die Rückstände absetzen. Dieses Verfahren wird speziell für den europäischen Markt angewandt.

In Palästina hingegen werden Oliven normalerweise in 60°C heißem Wasser geweicht, so dass alles Öl austritt. Nach dem Schleudern bleibt es einige Monate offen im Warmen stehen, bis sich der strenge und säuerliche Geschmack entfaltet, der in der arabischen Küche bevorzugt wird.

Palästina-Ecke in unserer Außenstelle im Kunstfoyer der Dreikönigskirche

 

Palästina-Produktinfos von der Fairhandelsorganisation dwp.

Ein weiteres Produkt aus Palästina ist das Vollkorn - Couscous:

Letzte Änderungen: Freitag, 04. November 2011, 21:08 Uhr